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Das neue Gesicht der Stadt

Skizzierung der postmodernen Stadt anhand eines Vergleiches Berlin - Los Angeles

Begriffe wie Globalisierung, Informationsgesellschaft und Telekommunikation legen nahe, daß Raum als zentrale Kategorie kapitalistischer Akkumulation überflüssig geworden ist. Andererseits jedoch bilden sich "global cities" als Orte strategischer Kommandozentralen des weltweit operierenden Kapitals. Dieser scheinbare Widerspruch läßt sich auflösen, wenn die versteckten Zusammenhänge zwischen der "anderen" Stadt, der Stadt der Ghettos, des informellen Arbeitssektors, der MigrantInnen der der Erwerbslosen, und der Zitadellen der Banken, Versicherungen und der High-Tech-Unternehmen aufgedeckt werden.

Hier soll versucht werden, anhand eines Vergleiches von Los Angeles, das als Prototyp dieser postmodernen Weltstadt diskutiert wird, mit ihrer Partnerstadt Berlin die Stadt als Raum sozialer Kämpfe wieder zu entdecken. Ausgangspunkt ist der Versuch einer theoretischen Beschreibung der ökonomischen Grundlagen der postfordistischen Stadt und deren Klassenzusammensetzung.

Die fordistische Stadt war eine Stadt produzierter Gleichförmigkeit. Ihre ökonomische Grundlage waren die industrielle Massengüterproduktion, ein starker öffentlicher Sektor sowie eine Vollbeschäftigung (bzw. ein umfangreiches soziales Netz). Ihre Städte waren nach dem gleichen hierarchisch-zentralistischen Prinzip wie ihre Fabriken sowohl untereinander als auch in ihrer internen Struktur gegliedert. Theoretisch wurde diese Struktur mit dem System "Zentraler Orte" beschrieben, das Orte in verschiedene Hierarchieebenen gliederte, die immer einem räumlich benachbarten Zentrum zugeordnet waren. Die Innenstadt war das Zentrum gehobener Verwaltungsfunktionen sowie Stätte des Massenkonsums in den riesigen 50er-Jahre Einkaufsstraßen mit ihren eintönigen Kaufhäusern. Arbeitskraftintensive Produktion war meistens auch in Innenstadtnähe gelegen. Wohnorte waren um diese Zentren herum angeordnet, erfüllten aber nur untergeordnete Funktionen. Diese Subzentren waren immer noch an die Innenstadt gebunden.

Die politische Ökonomie der postfordistischen Stadt

Die Krise der arbeitsplatzintensiven Industrie und die dann folgende Deindustralisierung, die in den 70er Jahren begann, unterminierte den keynesianistischen Klassenkompromiß. Durch die "internationale Arbeitsteilung" war die Produktion bestimmter Grundstoffe wie Kohle und Stahl in den Metropolen nicht mehr rentabel, die Fortschritte bei der Mikroelektronik und der Telekommunikation ermöglichten auf der einen Seite eine Rationalisierung der Produktion in den Metropolen, auf der anderen Seite eine Neudefinition der globalen Unternehmensführung. Die frei werdenden Arbeitskräfte konnten durch die stark wachsenden Dienstleistungen nicht aufgefangen werden. Die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien ermöglichten eine gleichzeitige Dezentralisierung und Zentralisierung. Es findet eine intensive Verdichtung von Raum und Zeit statt. Die rapide Beschleunigung von ökonomischen Prozessen in der Produktion, Zirkulation und dem Konsum sowie der Bedeutungsverlust der Zeit bei der Raumüberwindung durch die Telekommunikation führen zu einer weiteren Stufe in der Zentralisation von Konzernen. Dieser Prozeß steht nur im scheinbaren Widerspruch dazu, daß zentrale Produktionsstätten in viele kleine Einzelteile zergliedert werden. Durch die Bedeutungsverluste räumlicher Barrieren können in einer aufgespaltenen Fabrik räumliche Unterschiede sensibler ausgenutzt werden und trotz dieser Dezentralisierung die Vernetzung der neuen Produktionsstätten optimiert werden ("just-in-time" und "lean production"). Viele, auch scheinbar unabhängige Firmen sind Teil eines weltweiten Netzes der transnationalen Konzerne, in deren Kommandozentralen die Fäden dieses Netzes zusammenlaufen und von einer neuen Schicht von Experten koordiniert werden. Die Dezentralisierung ist also die Grundbedingung für die weitere Zentralisierung des Kapitals. Sie ist die optimale Form der Organisierung einer Fabrik, die weltweit operiert.

Diese Schaltzentralen der weltweit operierenden Konzerne siedeln sich in den Innenstädten der postfordistischen Städte an. Sie agieren nicht an ihrem lokalen Standort, der Stadt, sondern im "space of flows", im Raum der Informationsflüsse. In diesem Raum findet die zentralisierte Kontrolle und das top-level Management des geographisch verteilten Netzes von Fabriken, Büros und Vermarktungseinrichtungen statt. Dieser Central Business District (CBD) ist Zentrale, Ort von imagefördernder "Hoch"-Kultur und Ort für die Spekulation mit den überschüssigen riesigen Gewinnen. Durch diese Art Nutzung und die damit verbundene Explosion der Grundstückspreise verliert der CBD Wohnfunktionen sowie die Zentrumsfunktionen für große Teile der Bevölkerung (Einkaufsfunktion etc.).

Man könnte annehmen, diese Schaltzentralen könnten auf den Rahmen einer Stadt verzichten, da sie scheinbar nicht in ihr, sondern weltweit agieren. Dabei wird die unsichtbare Arbeit hinter diesem Kommando übersehen. Die Kontroll- und Managementbereiche brauchen in großem Umfang Informationen wie Recht, Rechnungswesen, Softwareentwicklung oder Marketing. Diese Art Dienstleistung ist im allgemeinen produktionsorientiert, d.h. sie produziert die Waren Information und Dienstleistung für Konzerne. Dieser Produktionskomplex hochspezialisierter Dienstleistungen profitiert von großen Agglomerationen. Sie müssen nicht - wie andere Dienstleistungstypen - in der Nähe ihrer Konsumenten angesiedelt sein. Profitierende Klasse dieser hochspezialisierten Dienstleistung ist aber nicht mehr der breite Mittelstand des keynesianistischen Wohlfahrtstaates, sondern eine neue Schicht von flexiblen global lebenden Experten.

Die postfordistischen Produktionsstätten sind in den sogenannten "edge-cities" angesiedelt, in Technologieparks und Bürogebäuden der größer werdenden Siedlungen außerhalb der Innenstädte. Sie können sich die hohen Mieten der CBDs nicht leisten und benötigen deren Funktionen auch nicht. In diesen Vororten der reichen Mittelschicht, der ExpertInnen und spezialisierten ArbeiterInnen, findet auch eine Re-Industrialisierung statt. Spezialisierte Hochtechnologiefirmen, Endmontagewerke und hochautomatisierte Produktion siedeln sich dort wegen der Nähe zu Märkten und der Verfügbarkeit an spezialisierten, gut ausgebildeten Arbeitskräften an.

Dienstleistungen und Konzernzentralen benötigen eine aufwendige Infrastruktur, die nur von großen Städten bereitgestellt werden kann. Eine genügende Menge von Experten, direkte Flugverbindungen, schnelle Züge für nationale und internationale Kontakte sowie eine Telekommunikationsinfrastruktur müssen verfügbar sein. Die Stadt oder allgemeiner der konkrete Ort hat also an Bedeutung gewonnen, besonders gegenüber räumlicher Konstrukte wie Staaten. Die räumlichen Einheiten, die um Standortvorteile ringen, verdichten sich immer stärker. Die fordistische Gleichförmigkeit und nationalstaatliche Organisierung wird durch ein kleinräumiges Cluster unterschiedlicher sozialer, kultureller und ökonomischer Bedingungen abgelöst.

Nur durch das Verschweigen der Zusammenhänge dieser "modernen" Wirtschaft mit der unsichtbaren "Randökonomie", der Handarbeit und wenig qualifizierten Tätigkeiten, kann die herrschende Wirtschaftstheorie diese Strukturen als Einheit höherer Ordnung darstellen. Die Stadt als umkämpftes Gebiet verschiedener Klassen wird so negiert. Die postmoderne Stadt ist aber eine duale Stadt, deren ungeheure Akkumulation von Kapital nur durch die Gleichzeitigkeit von internationalisierter Hochtechnologieökonomie und deregulierter Randökonomie denkbar ist. Räumlich manifestiert sich diese duale Stadt einerseits in den umzäunten Vorortsiedlungen und dem CBD und andererseits in den Ghettos, Mietwohnungssiedlungen und Obdachlosen der Innenstädte. Die niedrig bezahlten ArbeiterInnen sind zu großen Teilen Frauen und MigrantInnen. Diese schlecht bezahlten, nicht abgesicherten und stigmatisierten Sektoren des Arbeitsmarktes gehören aber genauso zu der globalen Informationsgesellschaft wie die glitzernden Hochhaustürme der Innenstädte. Wachschützer, Verkäuferinnen, Sekretärinnen, Reinigungskräfte, Müllmänner, Friseure oder Bauarbeiter erhalten den Glanz an der Oberfläche. Diese Bereiche der städtischen Ökonomie sind in den alten Vierteln der Innenstädte angesiedelt. Der Zugang zu den reichen Vororten und aufzuwertenden Bereichen der Innenstädte ist für diese Menschen durch ein immer perfideres Sicherheits- und Repressionssystem, durch die Privatisierung und Befestigung ehemals öffentlicher Räume, immer weniger möglich. Das postmoderne Los Angeles zeichnet sich aus durch die Gleichzeitigkeit von erster Welt in den glitzernden Konzernzentralen sowie in den reichen Vorstädten und von dritter Welt in der illegalen Schattenökonomie der Hinterhofwerkstätten.

Warum Los Angeles?

Lange Zeit galt Los Angeles als Ausnahmeerscheinung urbaner Kultur in Amerika. Die Stadt beschwört Visionen herauf, Visionen einer sich ins Unendliche hinein erstreckenden Metropole mit allgegenwärtigen Freeways, einer im besten Falle inkonsequenten Architektur, eigenwilligen Lebensstilen und permanenten Smog-Visionen, die durch Hollywoods Spielfilme und Fernsehproduktionen dramatisiert und verstärkt werden. Visionen wie das Bild des kalifornischen Traumes begründeten den Aufstieg Los Angeles aus der Wüste zu einer Megastadt. Diese Einmaligkeit von LA hat viel von der Struktur einer postmodernen Stadt vorweggenommen. Vieles, was oben theoretisch für die "global cities" beschrieben wurde, hat in Los Angeles eine lange Tradition und begründet dessen Modellcharakter als Prototyp dieser "global cities".

Bekannt wurde die anhand von LA entwickelte "Theorie der postmodernen Stadt" durch Mike Davisī "City of Quartz - Ausgrabungen der Zukunft von Los Angeles" (1994). Ausgrabungen versteht Mike Davis als Aufdeckung des Dunklen hinter der Fassade, hinter dem utopischen Bild von Los Angeles konstruiert aus Hollywood, der Skyline und der High-Tech-Industrie. Ausgangspunkt ist die Sicht auf diese Stadt aus der Sphäre der Kultur, wie ihr Mythos in ihr konstruiert und auch dekronstruiert wurde. Viele Anekdoten und eine detaillierte Recherche entschlüsseln die Widersprüchlichkeit der Stadt zwischen Ökologie und Polarisierung, polizeistaatlicher Überwachung und vollständiger Privatisierung, dem Ghetto und den Liberalen, städtischen Oligarchien und dem internationalen Kapital. Dieser Stil macht das Buch sehr spannend zu lesen. Es fällt aber schwer, die theoretischen Konzepte durch die Fülle von Details hindurch zu erkennen.

Sozial besteht Los Angeles aus zwei Städten, der schillernden Metropole mit Weltbedeutung und protzigem Reichtum und einer ihr zugrundeliegenden "3.Welt"-Stadt hoher Armut in den Ghettos oder in den Obdachlosen-Communities. Die Wirtschaft ist hochgradig internationalisiert, dreiviertel des Bodens des CBD gehören japanischen Großkonzernen. Das Aushängeschild im transnationalen Markt ist High-Tech, vor allen Rüstungsindustrie und Biotechnologie. Gleichzeitig ist Los Angeles die Hauptstadt der Obdachlosen in den USA und Ort der heftigsten städtischen Unruhen dieses Jahrhunderts. Ein Verwaltungszusammenhang war Los Angeles noch nie, aber entgegensetzte Interessen und die wachsende Polarisierung verstärken noch die Herausbildung eines ungeplanten Clusters aus unabhängigen Gemeinden. Die reichen Gemeinden schirmen ihre Zugänglichkeit aber auch finanziell von der Stadt ab. Der formale Wohlfahrtsstaat, der hier, wo Gewerkschaften über eine lange Zeit quasi verboten waren und erzreaktionäre, rassistische Oligarchien geherrscht haben, nie besonders ausgeprägt war, kollabiert. An seine Stelle tritt ein privater "Schattenstaat" von Freiwilligenorganisationen - oder eine paramilitärische Polizei.

Warum Berlin?

Mit der Vereinigung von BRD und DDR, der "Öffnung" der Märkte im Osten für die kapitalistischen Ökonomien und der Entscheidung, Berlin zur Hauptstadt von Deutschland auszubauen, wurde ein massiver Transformationsprozeß in Gang gesetzt. In der Berliner Innenstadt wird versucht, mit Sony und Daimler Benz am Potsdamer Platz, beides eher Prestigeobjekte als reale Orte für Funktionen von Konzernen, sowie mit den Hauptstadtfunktionen einen Grundstein für ein postfordistisches CBD zu legen. Die Überlagerung lokaler Bedingungen durch die Netze international agierender Konzerne vereinheitlichen zentrale Prozesse in der postmodernen Stadt. Deshalb kann ein Vergleich mit Los Angeles einen Blick in die Zukunft der Struktur der Stadt bieten, auch wenn seine (mögliche) Entwicklung zu einer Weltstadt erst in den Anfängen steckt und die konkrete Ausgestaltung noch offen ist.

Prozesse, die Los Angeles kennzeichnen, zeichnen sich auch jetzt schon in Berlin ab. Die unterschiedlichen Ausgangsgangsbedingungen der beiden Städte führen aber zu einer schnell übersehbaren Modifikation in der Durchsetzung der global ausgelösten Umstrukturierungsprozesse.

Berlin ist nicht Los Angeles

Die "City of Los Angeles" ist nicht ohne ihr Umland zu denken. Die Stadt als Verwaltungseinheit ist zwar durchaus mit Berlin vergleichbar (Los Angeles: 1202 qkm und 3 Mio. Einwohner; Berlin: 900 qkm und 3,5 Mio. Einwohner). Aber anders als in Berlin leben im metropolianen Großraum von Los Angeles (100 km) insgesamt 12 Mio. Einwohner. Die Regionen dieser Großraumes stehen zwar in Beziehung zueinander, sind aber zersiedelt, es gibt kein eindeutiges Zentrum. "Downtown" hat auf jeden Fall keine Bedeutung für die Bewohner. Wohnen, Einkaufen und Freizeit finden in den vielen regionalen Zentren der Vororte statt, den "shopping malls" oder Disney World etc. Die industrielle Verdichtung anderer Städte des 19. Jahrhunderts hat in Los Angeles nicht stattgefunden, schon 1930 betrug der Anteil an Einfamilienhäusern 94%. Ein öffentliches (Fußgänger-)Leben auf der Straße gibt es beinahe nicht, Fortbewegung findet in Autos und auf den verstopften Highways statt.

Berlin dagegen hat ein (noch) funktionierendes Nahverkehrnetz. Die starke Verdichtung läßt ein stadtteilbezogenes Leben in einer zu Fuß erreichbaren Umgebung zu. Obwohl die durch Mietwohnung geprägte Stadt im Laufe ihrer Entwicklung alte Stadtkerne in sich aufgenommen hat und so eine polyzentrische Struktur entstanden ist, ist sie hierarchisch auf "downtown" (die beiden Stadtzentren Ost und West) bezogen. "downtown" erfüllt für die meisten Bewohner noch Funktionen wie Wohnen, Einkaufen, Kultur und eine noch lebendige Subkultur. Öffentliche politische Äußerungen sind noch Teil des Lebens in der Innenstadt. Demonstrationen und Kundgebungen finden regelmäßig dort statt. In Los Angeles sind politische Aktivitäten genauso segregiert, wie die Bevölkerung anhand von Klassen und Ethnien räumlich getrennt lebt und wohnt. Durch das Inseldasein von West-Berlin ist die Stadt noch deutlich vom Umland abgegrenzt, obwohl eine Zerfaserung wie in Los Angeles schon in Ansätzen zu beobachten ist.

Postfordistische Ökonomie Berlin - Los Angeles

Los Angeles fungiert als Brückenkopf für internationale Konzerne und als Markt selbst. Rund die Hälfte des nordamerikanischen Pazifikhandels geht durch die Häfen dieser Stadt. In der Hierarchie des internationalen Städtesystems - basierend auf der Spezialisierung der Städte innerhalb der zentralen Funktionen der "global cities", den Steuerungsfunktionen, dem finanziellen Management der industriellen Produktion sowie den prokuktionsbezogenen Dienstleistungen - rangiert Los Angeles noch auf Rang 2. Aber mit seinen Hauptquartieren multinationaler Firmen, ungefähr 150 internationalen Banken, internationalisierten Dienstleistungen (vor allem Werbung, Film und Gebäudeverwaltung) und dem Gebäudemarkt ist es auf dem besten Wege, auf Rang 1 in der Städtehierarchie zu New York, London und Tokio aufzusteigen. Die Türme von "downtown" sind das weithin sichtbare Zeichen dieses neuen Reichtums.

Die Dimensionen des neuen Berlins lassen sich in den Computersimulationen des Potsdamer Platzes und des Alexanderplatzes erahnen. Eine Spezialisierung wird im Ost-West Handel und in der Nähe zu der Verwaltung eines der mächtigsten Staaten der Welt gesucht. International agierende Konzerne werden mit hohen Subventionen gelockt. So haben Daimler Benz und Sony das Grundstück und die Infrastruktur am Potsdamer Platz fast geschenkt bekommen. Inzwischen ist Berlin zum zweitwichtigsten Finanzplatz Deutschlands mit fast 200 Banken aufgestiegen und löst damit zwar nicht Frankfurt, aber schon München und Düsseldorf als zentrale Finanzdrehscheiben ab. Wichtiger Motor dafür ist der Ost-Handel. Immobilienspekulation mit internationalem Kapital und die Vervielfachung der Bürofläche sind die sichtbarsten Zeichen der Umstrukturierung. Nicht ohne Grund zieht in das Daimler Benz Areal die Konzerntochter "debis", die Gebäudemarketing betreibt. Das CBD soll sich also um die Hauptstadtfunktionen und die Dienstleistungsmetropole herum entwickeln, begleitet von Kultur- und Unterhaltungsindustrie (Mode, Fernsehen, Film, Werbe- und Verlagswesen, Tourismus), die sich alle in der Innenstadt rekonstruieren.

Durch die Kürzungen des Verteidigungshaushaltes in den USA (Los Angeles ist die Hauptstadt der Rüstungsindustrie) und den plötzlichen Wegfall der Berlinsubventionen sowie die Abwicklung der Ost-Wirtschaft in Berlin setzte in beiden Städten eine Reorganisation der Industrie ein. Die zu Beginn erläuterte These von gleichzeitiger Re- und De-Industralierung wurde von der "L.A.-School", fortschrittlichen StadtwissenschaftlerInnen aus Los Angeles, anhand dieser Stadt aufgestellt.

Es gibt eine Reihe von Anzeichen, daß Berlin von einer ähnlichen Entwicklung betroffen ist. Seit die Mauer gefallen ist, wandert das traditionelle produzierende Gewerbe nicht nur wegen der weggefallenen Subventionen, sondern auch wegen der für diese Art der Nutzung zu hohen Bodenpreise in das Berliner Umland ab (z.B. Herlitz). Die Betriebe im Osten waren zu unrentabel und wurden ganz geschlossen. Stattdessen füllen sich Kreuzberger Hinterhoffabriken mit teilweise rein vietnamesischer Textilproduktion.

Im Umland entwickelt sich eine eigenständige (hochwertige) internationale Re-Industralisierung in Subzentren ohne eine räumliche Verflechtung mit dem Zentrum. Beispiele sind die Umgebung von Königs Wusterhausen oder die entstehende Stadt und Industrieregion um den geplanten Großflughafen Schönefeld. An dem Autobahnring um Berlin siedeln sich riesige Einkaufszentren auf der grünen Wiese an, die den Innenstädten oder kleinen Geschäften des Wohnumfeldes den Rang ablaufen. Diese "shopping malls" sind meistens von Dienstleistungskonzernen dominiert (Media Markt, Ikea etc.). Auch "technopoles", Forschungsstädte, sind im Kommen. Im Forschungs- und Technologiepark Adlershof arbeiten heute schon 3.500 Beschäftige in 145 Firmen und 15 außeruniversitären Forschungseinrichtungen; in 10 Jahren sollen es bis zu 30.000 sein. Der Innovationspark Wuhlheide oder der entstehende biomedizinische Wissenschaftspark Buch sind weitere Beispiele. Vor allem werden aber die Dienstleistungsfunktionen in den Innenstädten ausgebaut. Nur zwischen 1990 und 1993 entstanden dort 68.000 neue Arbeitsplätze.

Die neuen Sektoren können aber die durch die De-Industralisierung weggefallenen Arbeitsplätze in beiden Städten weder quantitativ noch qualitativ ersetzen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch (10-13%). Eine Entwicklung wie in Los Angeles, wo es immer mehr Menschen gibt, die sogar mit mehreren Jobs ihre Miete nicht mehr bezahlen können und obdachlos werden, ist auch für Berlin zu erwarten.

Entdemokratisierung der Planung

Indikator für die Internationalisierung der städtischen Ökonomie ist, daß die Planung zentraler Bereiche aus der Hand der lokalen Verwaltung genommen wird. Damit wird selbst die bestehende demokratische Kontrolle unterlaufen. In Los Angeles ist die Planung auf die Formulierung utopischer Leitlinien beschränkt, die nur noch zur Werbung dienen. Die Planung ist privatisiert worden. Die räumliche Gestaltung der neuen Wachstumsinseln liegt in der Hand der internationalen Konzerne. Administrative Grenzen existieren durch die Koalition mit der Oligarchie von Los Angeles nicht. Für die Gebiete der Unterklassen und Armen ist seit der Demontage des (in den USA sowieso nur rudimentär vorhandenen) "Wohlfahrtsstaates" durch Reagan, Bush und Clinton kein Geld da, so daß Planungsleitlinien keine Relevanz haben. Verstärkt wird diese Entwicklung durch die Abkopplung der Mittelstandsvororte vom Stadtzentrum, die Auflösung der Stadt als administrativer Einheit. Der weiße Mittelstand will seinen in Gefahr geratenen Wohlstand gegen die Armen verteidigen.

In Berlin verlieren die Bezirke, in denen Hauptstadtfunktionen angesiedelt werden, aber auch der Senat ihre Möglichkeiten zur stadtplanerischen Gestaltung. Die Planung und Ausführung wird unter der Obhut der Bundesregierung von einem privaten Träger durchgeführt. Bürgerbeteiligung ist (real) nicht vorgesehen. Urbanität wird in dem "Planwerk Innenstadt" als hohe Dichte definiert. Andere Kategorien wie soziale und kulturelle Vielfalt spielen keine Rolle. Obwohl dieser "Masterplan" vollmundig die Vision eines neuen Berlins aller beschwört, sind dies nur Phrasen des Stadtmarketings. Besonders die Hauptstadtplanung ist real Motor für die Verdrängung der ursprünglichen Bevölkerung aus dem Zentrum und für die Schaffung guter Bedingungen für finanzkräftige Unternehmen.

Polarisierung

Zum Symbol für die wachsende Polarisierung sind die Ghettos von Los Angeles geworden, die zuletzt nach den Unruhen von 1992 von der deutschen Linken nicht nur diskutiert wurden, sondern als Mythos der kämpfenden Underdogs auch auf Deutschland übertragen wurde. Hip Hop war die neue Modemusik, und in Kreuzberg fühlte mann sich mit cooler Kleidung und Gangs wie in Watts oder Compton.

Die Ghettos der USA sind nicht nur die Bezirke der sozialen Unterschichten. Sie sind von ihrer Außenwelt abgeschottet und ethnisch definiert. Für die schwarzen und lateinamerikanischen Bewohner dieser Ghettos ist es nicht möglich, das Ghetto zu verlassen. Durch die rassistische Segregation des Wohnungsmarktes ist ihnen ein Zugang zu anderen (besseren) Wohnvierteln unmöglich. Ein großer Teil der Schwarzen und anderer "Minderheiten" (die real schon die Mehrheit der Bevölkerung in L.A. ausmachen) wohnt in Bezirken mit über 90% Bevölkerungsanteil ihrer Ethnie. Die weißen "working poor", die es auch in großer Zahl gibt, sind, sofern sie nicht obdachlos sind, nicht von dieser Segregation betroffen. Die durch Bürgerwehren, Wachschutz oder Polizei abgeriegelten Freizeiteinrichtungen, Strände, Parks oder Einkaufszentren des weißen Los Angeles sind für Schwarze nicht zugänglich. Dies geht so weit, daß die Ausfallstraßen der Ghettos von der Polizei abgeriegelt werden. Stadtplanerisch werden sie durch highways nahezu eingezäunt.

Die Ökonomie der Ghettos ist die informelle der Gangs, da schwarze Jugendliche kaum andere Möglichkeiten zur Teilhabe an den Konsum- und Lebensvorstellungen des amerikanischen Traumes haben. Die Gangs dealen mit Crack, verkaufen Waffen und kämpfen um die Vorherrschaft über die Märkte. Sie sind dabei nicht die wahren Profiteure dieser Geschäfte, sondern die, die das Risiko tragen und den Endverkauf übernehmen. Das Bild der organisierten Kriminalität der rassistischen Propaganda trifft für die lose miteinander verbundenen Gangs nicht zu. Bei dem Versuch des ehemaligen Black Panthers Michael Zinzun, einen Waffenstillstand zwischen den beiden sich blutig bekämpfenden schwarzen Gangzusammenschlüssen, den Bloods und den Crips, zu vermitteln, war die Hauptforderung der Gangmitglieder die nach Arbeitsplätzen und dem Wiederaufbau einer Infrastruktur in ihren Vierteln. Außerhalb dieser informellen Ökonomie haben besonders die jüngeren schwarzen Ghettobewohner nur Zugang zu den schlecht bezahlten und ungesicherten Sektoren, die Männer in der Hauptsache zu Wachschutzfirmen oder zum Militär (meist einziges Sprungbrett zu einer Ausbildung und einem gesicherten Arbeitsplatz) und die Frauen zu persönlichen Dienstleistungen, als Putzkräfte oder Haushälterinnen der neuen Reichen. Die Arbeitslosenrate unter schwarzen Jugendlichen in South Central liegt konstant in der Nähe von 50%.

In Berlin lebt zwar auch ein großer Teil der MigrantInnen in wenigen Bezirken wie Neukölln, Wedding und Kreuzberg, in denen sie die Bevölkerungsmehrheit stellen oder die Stadtteile dominieren. Ihre soziale Situation ist auch vergleichbar mit der der Schwarzen und Hispaños von L.A. Türken sind überproportional von der Abwanderung des klassischen produzierenden Gewerbes aus der Innenstadt betroffen. Auch ist die Jugendarbeitslosigkeit unter MigrantInnen ähnlich hoch. Informelle Wirtschaftsstrukturen und eine ethnisch organisierte Kleinbetriebsstruktur gewinnen an Bedeutung.

Berlin ist aber nicht in der Form wie Los Angeles, wo MigrantInnen ein zentraler Bestandteil der städtischen Ökonomie sind (aber bis auf Chinesen und Japaner nicht an der Macht beteiligt sind), eine multiethnische Stadt. Der Anteil an MigrantInnen beträgt gerade 12%. Dies ist sogar für deutsche Stadtregionen relativ wenig. Eine Arbeitsimmigration wie die der Hispaños von Los Angeles hat in Berlin erst mit den polnischen und portugiesischen Bauarbeitern und den osteuropäischen Putzfrauen eingesetzt. Von Ghettos zu sprechen wäre für die genannten Stadtteile mit hohem MigrantInnenanteil falsch. Diese Stadteile sind noch durchmischt, sie werden auch durch Gentrifizierung (durch die Yuppies der neuen weißen Mittelschicht) und deutsche Arbeitslose sowie eine deutsche Subkultur geprägt. Eine totale ethnische Segregation findet in Berlin (noch) nicht statt. Das zeigt sich besonders auch in der brutalen polizeilichen Repression, die in Los Angeles die einzige offizielle "Strategie" in diesen Bezirken ist. Aber auch hier ist ein Vergleich mit Los Angeles interessant, da sich in Berlin eine Zusammenarbeit eines aufgerüsteten Polizeiapparates mit privaten Sicherheitsfirmen, gepuscht durch Diskurse über organisierte Kriminalität und ausländische Banden entlang ethnischer Zuschreibungen, abzeichnet.

Der Diskurs der "Inneren Sicherheit"

Los Angeles ist die Stadt der Polizei und des Wachschutzes. Die Zitadellen von "downtown" sind

wie moderne Burgen von den Slums abgeschottet. Dies schlägt sich in der Architektur nieder - Stacheldrahtzäune, vergitterte Eingangstore mit Stahlspitzen, Bänke mit "Pennerschutz", in den ersten Etagen fensterlose Fassaden. An den Gebäuden sind an jeder Ecke surrende Kameras angebracht, die in High-Tech-Überwachungsräumen koordiniert und ausgewertet werden. Wachschutz mit Maschinengewehren im Anschlag oder Polizei bestimmen die Straßen. Ein öffentliches Leben auf der Straße findet nicht statt. "Öffentliche Orte" sind im Inneren der Festungen, nur für ein ausgewähltes, zahlungskräftiges Publikum zugänglich.

Das gleiche Bild wiederholt sich in den Einkaufszentren der Vorstädte und auch der Ghettos. Einkaufsstraßen im deutschen Sinne gibt es nicht. Die "shopping malls" sind Orte, in denen nur der willkommen ist, der konsumiert. Gegen die immer größere Anzahl derer, die sich das nicht mehr leisten können, werden sie abgeschirmt. In den Ghettos sind sie beinahe Festungen. Sogar Parks und Strände werden von Hubschraubern überflogen.

Der Diskurs der Inneren Sicherheit ersetzt auch in Berlin immer mehr soziale Wohlfahrt. Die Polizeidichte, schon heute weit über dem Bundesdurchschnitt, wird mit dem Umzug der Regierung noch weiter zunehmen. Für die Innenstadt liegt ein Sicherheitsplan vor, der eigene Polizeikasernen und den Zuzug von BGS-Einheiten vorsieht. Die Bannmeilen um die Regierungsbauten und die flexiblen Sicherheitszonen bei Staatsbesuchen etc. werden polizeiliche Ausgrenzung in den Innenstadtbezirken zum Alltag machen. Sie liefern gemeinsam mit dem neuen Feindbild der "ausländischen Mafia" einen Vorwand für die Durchsetzung einer "sauberen" Metropole.

Neu ist nicht nur die Intensität polizeilicher Strategie gegen Armut, sondern die zunehmende Unterwerfung des Sicherheitsbereichs unter marktwirtschaftliche Bedingungen. 1992 waren in Berlin 170 Wachschutzunternehmen gemeldet (bundesweit 750). Zum einem hebeln diese privaten Sicherheitsdienste demokratische Kontrolle und rechtsstaatliche Normen der Polizei auf. Zum anderen wird Innenpolitik so wieder direkter an das Kapital gebunden, die keynesianistische Trennung von Staat und Kapital zumindest aufgeweicht. Hinter vielen der Wachschutzunternehmen stehen große Konzerne. Testfelder für ihr Wirken sind in Berlin die Bahnhöfe und zentralen Einkaufsgebiete sowie die entöffentlichten "öffentlichen" Einkaufszentren und Passagen. Beispielsweise in der City West (Ku'damm) betreibt eine operative Gruppe der Polizei, in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Geschäftsleute (AG City West) und deren Wachschutz, eine Quasi-Privatisierung des öffentlichen Straßenraumes. Die nicht zum gewünschtem Käuferkreis Zugehörigen - in der Hauptsache Obdachlose, Punks und pauschal zu Drogendealern erklärte Ausländer - werden in Gebiete abgedrängt, die nicht im Zentrum von Kapitalinteressen stehen. Eine weitere Verschärfung lassen private Städte in der Stadt wie der Potsdamer Platz vermuten, wo die Orte zwischen Cafés, Kneipen und (auch staatlichen) Kultureinrichtungen direkt unter der Kontrolle großer Konzerne stehen.

Virtuelle Stadt

Der repressive Charakter der neuen Stadt realisiert sich nicht nur in dieser offensichtlichen Form. Die politische Stabilität, gestört nur durch kurz aufflammende Unruhen, verdankt die postmoderne Stadt der Erzeugung einer imaginären Realität als identische Kopie einer Wirklichkeit, die nicht existiert - Hyperrealität genannt - als versteckte Form sozialer Regulierung. Im Fordismus war diese Hyperrealität, vergleichbar mit reality-TV zwar vorhanden, aber damals besuchte man gezielt Orte von imaginierter Wirklichkeit wie Disney World oder das Kino. Heute ist diese Realität zum Alltag geworden. Alltag in dem Sinne, daß Hyperrealität nicht mehr als imaginiert wahrgenommen wird.

In der Planung der fordistischen Stadt ging es um die Schaffung funktionaler und rationaler

Strukturen. In dem postfordistischen Raummodell ist der Stadtraum nicht nur auf diese materielle Substanz beschränkt. Eine hyperreale Bedeutungsebene von Symbolen und Zeichen überlagert den materiellen Stadtraum. Los Angelesī Geschichte war geprägt von der Konstruktion eines Mythos, der die heutige Millionenstadt in einer widersinnigen Umgebung mitten in der Wüste (beinahe) ohne die für den Fordismus typische Schwerindustrie entstehen ließ. Diese Konstruktion anhand eines Mythos hat in der postmodernen Stadt an Totalität gewonnen. Im konkreten Leben stellt sich dies in den "themeparks" dar - geschlossene Wohnanlagen, deren Architektur und Lebensstil um Themen herum konstruiert werden (und vertraglich so weitergeführt werden müssen) - oder in nach dem gleichen Prinzip konstruierten Einkaufszentren, Freizeitanlagen und öffentlichen Gebäuden. Die Architektur hat die Symbolik wieder entdeckt. Soziale Inhalte (und damit Fortschritte) rücken gegenüber Stil und Form in den Hintergrund. Die Türme von downtown sollen konservative Werte wie Identität und elitäre Normen, gleichzeitig aber auch Modernität, darstellen. Die neue Bedeutung der Symbolik geht zum Teil so weit, daß die riesigen Zitadellen der Banken, Versicherungen und des Gebäudemanagments nur noch in einer Etage Funktionen des Eigentümers beinhalten, also auf ein Symbol für die Allmächtigkeit des Kapitals und auf die reine Prestigefunktion reduziert wird.

Auch in Berlin gewinnt diese Inszenierung immer mehr an Bedeutung. "Partner für Berlin", eine Stadtmarketing-Agentur, die gemeinschaftlich von Senat und Großkonzernen betrieben wird, versucht das neue Berlin nach der Vereinigung aufzubauen. Bei der Präsentation der Hauptstadtplanung und den Wohlstandsinseln des neuen Berlin spielt aber nur die Konstruktion einer Weltstadt, kulturell sowie ökonomisch, eine Rolle. Die sozialen Gegensätze verschärfen sich immer mehr, aber an einem Bild von "Zukunftsfähigkeit" wird festgehalten. Während die reale Kulturvielfalt zerstört wird, versuchen Großereignisse (wie die Reichstagsverhüllung oder die Love Parade) Berlin Vielfalt und einen urbanen Lebensstil einzuhauchen. Historisch wird dabei immer mehr an die autoritären preußischen Traditionen angeknüpft (Stadtschlossattrappe).

Diese "virtuelle Stadt" ist die Oberfläche der postmodernen Stadt, die vielfache Abstraktion dessen, was Marx einmal als "verkehrte Welt" bezeichnet hat.

Tips zum Weiterlesen:

Peter Bremer, Norbert Gestring, "Urban Underclass - neue Formen der Ausgrenzung auch in deutschen Städten?", in PROKLA 106 1/97 "Konflikte um den Wohlfahrtsstaat"

Manuel Castells, "The Informational City", Oxford 1989

Mike Davis, "City of Quarz", Berlin/Göttingen 1994

Saskia Sassen, "Wirtschaft und Kultur in der Global City", in Forum Wissenschaft 2/95 "Global City" Frank Sträter (Hg.), "Los Angeles/ Berlin - Stadt der Zukunft, Zukunft der Stadt", Stuttgart, 1995

aus: ARRANCA Nr.13 Herbst `97